Landesnaturschutzverband Schleswig-Holstein

Naturlehrpfad Blunkerbach-Niederung

Häufiger Gast in der Blunkerbach-Niederung: Rotmilan (Milvus milvus), Landesnaturschutzverband Schleswig-Holstein e.V.; Foto: Nils Kuhnert-Schumacher
Häufiger Gast in der Blunkerbach-Niederung: Rotmilan (Milvus milvus); Foto: Nils Kuhnert-Schumacher

Die Naturschutzgemeinschaft Blunkerbach e.V. als Mitgliedsverband des LNV SH freut sich ganz besonders über die im Juni 2026 bewilligte Förderung durch Bingo! – Die Umweltlotterie. Die bewilligten Fördermittel fließen direkt in die Entwicklung, den Aufbau und die konkrete Umsetzung eines neuen Naturlehrpfads rund um die Blunkerbach-Niederung im Kreis Segeberg. Mit diesem Projekt möchte der Verein nicht nur die biologische Vielfalt vor seiner Haustür schützen, sondern auch die Umweltbildung stärken und Besuchern die regionale Natur näherbringen, denn dieses Projekt macht den heimischen Natur- und Artenschutz für Spaziergänger, Radfahrer und Interessierte direkt erlebbar.

Hintergrund:

Die Blunkerbach-Niederung (BB-Niederung) ist ein zentraler Verbundkorridor von besonderen Lebensräumen zwischen den direkt angrenzenden FFH-Gebieten Tarbeker Moor, Hamdorfer Binnendüne und Trentmoor. Zudem hat sie überregionale Bedeutung, da sie ein bedeutendes Teilstück in der für ganz Schleswig-Holstein relevanten geologischen Schmelzwasserrinne ist, die sich vom Plöner See bis zur Trave zieht. Ganz nebenbei erfüllt sie hier auch die Rolle eines aquatischen Migrationskorridores zwischen dem schleswig-holsteinischen Schwentine- und Travesystem.

Der Biotopverbund Blunkerbach-Niederung ermöglicht es Tieren, Pflanzen und anderen Organismen, zu wandern, sich auszutauschen und auf diese Weise resilient gegen fortgesetzte Beeinträchtigungen zu bleiben. In diesem Sinne trägt der Biotopverbund zum Erhalt der Biodiversität und zur Stabilität von Arten bei.

Der Blunkerbach selbst ist als Schwerpunktbereich im Schutzgebiets- und Biotopverbundsystem Schleswig-Holsteins gekennzeichnet und verbindet herausragende Biotope im Norden und Süden entlang der alten Schmelzwasserrinne; er stärkt so grundlegend den Genpool der hier vor Ort heimischen Arten. Besonders bei stark bedrohten Arten ist die genetische Vielfalt entscheidend. Das betrifft ebenso Vögel und Reptilien wie Insekten und wildlebende Säugetiere.

Die Blunkerbach-Niederung bietet mit ihren insgesamt ca. 400 ha Dauergrünland und mit ihren zwischen Daldorf und Blunk liegenden ca. 100 ha dauergrünen Offenlandes, insbesondere für im Rückgang befindlichen Wiesensingvögel, einen überlebenswichtigen Lebensraum, da dieses Gebiet für selten gewordene Vögel noch eine weitgehend stabile und vielfältige Nahrungsquelle bietet und für Schleswig-Holstein eher seltene Brutbedingungen vorhält (Bernd Koop: Brutvögel der Blunkerbach-Niederung 2019, S. 2ff).

Die im Zentrum der Blunkerbach-Niederung befindlichen ca. 60 ha Dauergrünland im Eigentum der DEGES sind ehemals als Ausgleichsflächen erworben worden und stehen in Warteposition für ein umfangreiches Renaturierungsvorhaben, das eine naturschutzfachliche Aufwertung insbesondere der Zentralfläche erwarten lässt. Wie die gesamte Niederung, besteht diese Gebietskulisse aus landwirtschaftlich genutztem, entwässertem Niedermoorboden, der das Potenzial hat, CO₂-Emissionen relevant zu verringern, wie es im Klimaschutzplan der Bundesregierung (Kyoto-Protokoll, Unterzeichnung der UN-Klimarahmenkonvention) vorgesehen und im Rahmen der Maßnahmen zum biologischen Klimaschutz des Landes SH entschieden ist.

Die mittelfristig notwendige Transformation von einer Intensivlandwirtschaft hin zu einer extensiven Bewirtschaftung findet in der Blunkerbach-Niederung besonders günstige Voraussetzungen, da ein extensiv wirtschaftender Betrieb mit einer Galloway-Zucht bereits vor Ort landwirtschaftlich aktiv ist und bestehende Bewirtschaftungskonzepte unkompliziert mit einer Teilvernässung der DEGES-Flächen weiterentwickelt werden könnten. Das dauergrüne Offenland, das auf 50 ha extensiv bewirtschaftet wird, enthält eine Mischung aus Gräsern, Kräutern und Insekten, die für heimische Wiesenvögel wie Wiesenschafstelze, Wiesenpieper, Schwarz- und Braunkehlchen, Feldlerche und Neuntöter eine zentrale Nahrungsquelle darstellt. Diese Vögel ernähren sich von Insekten, Würmern und anderen kleinen Tieren, die hier in feuchtem Boden, auf Kuhdung und in dichten Grasflächen noch hinreichend vorkommen.

Das dauergrüne Offenland im Zentrum bietet ihnen darüber hinaus Brutbedingungen, die die nötige Ruhe und Deckung versprechen. In den durch verschiedene Landwirte bearbeiteten strukturreichen Mähwiesen ist das Gras in der Blunkerbach-Niederung hoch genug, um Nester zu schützen, daneben aber auch niedrig genug, um das Schlüpfen und Aufziehen der Jungvögel zu ermöglichen.

Durch das relativ stabile Vegetationswachstum und durch das Förderinstrument der „Spätmahd-Wiesenvogelschutzstreifen“ (DVL) unterstützt, werden hier die Gelege und Küken von Bodenbrütern vor dem Ausmähen, vor Witterungseinflüssen und vor möglichen Räubern geschützt. Speziell das Braunkehlchen benötigt zwingend ein derartiges Habitat. Es ist als Kulturfolger auf ausschließlich solche offenen Flächen festgelegt und lässt sich woanders nicht nieder. So wurden in der Blunkerbach-Niederung in guten Brutjahren 10-12 Brutpaare (Bernd Koop: Brutvögel der Blunkerbach-Niederung 2019, S. 11ff) festgestellt, die ihren Nachwuchs hier erfolgreich großziehen konnten. Das ist eine herausragende Dichte an Brutpaaren dieser selten gewordenen Rote-Liste-Art in Schleswig-Holstein.

Naturlehrpfad rund um die Blunkerbach-Niederung:

Der geplante Naturlehrpfad umfasst eine barrierearme Weglänge von ca. 13,5 km und verbindet Erholung mit umfassender Natur- und Umweltbildung. Sanierungsbedürftige Straßenführungen sollten im Rahmen der verfügbaren Kapazitäten instandgesetzt werden. Das Areal liegt im Kreis Segeberg und schließt unmittelbar an das FFH-Gebiet Tarbeker Moor an.

Zahlreiche Infotafeln und interaktive Lernorte sollen die lokale Ökologie erlebbar machen. Die einzelnen Stationen behandeln folgende Schwerpunkte:

Natur & Geologie: Eiszeit, Geologie und die Dynamik des Lebensraums Moor

Arten & Biotope: Avifauna (Vogelwelt), Feuchtwiesen, Biodiversität und Artenschutzprojekte im Grünland

Wirtschaft & Wandel: Torf- und Kiesabbau, Renaturierungsmaßnahmen sowie nachhaltige Land- und Forstwirtschaft

Die Ausgestaltung der Lernorte wird themenspezifisch angepasst. Das begleitende Jahresprogramm, darunter Exkursionen, Wanderungen und Lehrgänge, wird jährlich aktualisiert werden.

Rastmöglichkeiten: Entlang der Route sollen Bänke und teilweise Tische Radfahrende und Spaziergänger zum Verweilen und Genießen der Aussichten einladen.

Aussichtsplattform: Ein kleiner Aussichtspunkt bietet einen ungestörten Blick auf die weiten Flächen der Blunkerbach-Niederung, in der sowohl Rotmilane, Seeadler und Kraniche als auch herrliche Wolkenformationen zu sehen sind.

Wegeführung: Durchgängige Wegweiser sowie ausgewiesene Alternativrouten sind als Orientierungshilfe geplant.

Parkplätze: Für Besucher aus der Umgebung sollen zwei zentral angelegte Parkflächen zur Verfügung stehen.

Über den Fortlauf des Projekts werden wir in regelmäßigen Abständen hier berichten.

 

 

Einige Impressionen aus der Blunkerbach-Niederung

Gefördert durch Bingo! – Die Umweltlotterie

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